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Wed, Dec

Kölner Uni-Institut fordert Rücktritt des Afrika-Beauftragten

Afrikabeauftragter Günter Nooke

Afrodeutsch
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Das Institut für Afrikanistik und Ägyptologie hat in einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel und Entwicklungsminister Gerd Müller den Afrika-Beauftragten der Bundesregierung, Günter Nooke, kritisiert und dessen Entlassung gefordert. Nooke habe nicht nur die Nachfahren von Opfern kolonialer Gewalt „verhöhnt“, sondern auch „eine Perspektive eingenommen, die populistischen und rassistischen Positionen entgegenkommt“.

Nooke hatte am 7. Oktober der Zeitung „BZ“ ein Interview gegeben, das für Kritik gesorgt hatte. Darin sagt er unter anderem, dass der Kolonialismus zwar schlechte Seiten gehabt habe, aber auch dazu beigetragen habe, Afrika aus „archaischen Strukturen“ zu lösen, wird er zitiert. Er spricht weiter von Clan-Strukturen und Stammesführern, die die Gesellschaften afrikanischer Länder dominierten. Um die Migration aus afrikanischen Staaten zu verringern, schlägt er vor, Pachtzonen in Afrika zu schaffen und dort Migranten arbeiten zu lassen – von EU oder Weltbank unterstützt.

Die Mitarbeiter des Instituts der Hochschule kritisieren die „inhaltlich nicht haltbaren, diffamierenden und pauschalisierenden Behauptungen, der immer wiederkehrenden Rede von Afrika als stereotypen Anderem“. Afrika werde als ein „in vermeintlich Geschichtslosigkeit verharrendem Kontinent“ dargestellt, den mit Europa nur die Ungleichheit und die Erfahrungen im Kalten Krieg zu verbinden scheine. Hinzu komme eine „abwertende Behandlung afrikanischer Geflüchteter, die kaum noch Grenzen der Moral, Ethik und Verantwortung zu kennen scheint“.

Auch mit der Wissenschaft geht gehen die Forscher ins Gericht: Die Wissenschaftler „schauen auf eine lange Zeit des Schweigens und kolonialer Komplizenschaft zurück, die die Geschichte der Wissenschaft im 19. und 20. Jahrhundert mitgeprägt hat“. Am unstimmigen Bild der Stammesstrukturen in Afrika habe die Wissenschaft einen maßgeblichen Anteil. „Afrika wurde (und wird) als Gegenbild zum »modernen« Europa entworfen.“ Dieses schwierige Erbe müsse die Wissenschaft aufarbeiten.

„Erschreckende Aussagen”

Nooke solle entlassen werden, „nicht nur wegen seiner kolonialrevisionistischen Äußerungen, sondern auch in der Hoffnung, dass sich mit einer Neubesetzung die Afrika-Politik der Bundesregierung grundsätzlich ändert und Menschlichkeit zu ihrem ersten Ziel macht“. Auf Anfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“ wollte sich Nooke nicht zu den Vorwürfen äußern.
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Tahir Della, Sprecher der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland, lobte den Vorstoß des Uni-Instituts. „Die Aussagen sind für einen Afrika-Experten, der die Kanzlerin berät, erschreckend.“ Der Kolonialismus sei eines der furchtbarsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte gewesen, der heute noch die Machtbeziehungen zwischen Europa und Afrika bestimme. Dass Nooke Flüchtlinge nicht aufnehmen will, sondern stattdessen in – den afrikanischen Ländern abgekauften – Sonderzonen arbeiten lassen will, heiße, die kolonialen Verhältnisse wieder aufleben zu lassen. „So begann die Geschichte des Kolonialismus“, sagte Della.

Dirk Riße  Kölner Stadt-Anzeiger  Kölner Uni-Institut fordert Rücktritt des Afrika-Beauftragten